Angeblich will die FIFA mit ihren neuen Bestimmungen zum Schutz minderjähriger Fußballer den begabten Fußball-Kids helfen - in Wahrheit erreichen Blatter & Co das Gegenteil
FIFA-Blatter spielt Sandmännchen für Kids

RAINER KALB

Schützende Hände?
ZÜRICH - Die Nachricht war den Nachrichtenagenturen nur einen Absatz ziemlich am Ende ihrer Berichte wert. Die Weltregierung des Fußballs, FIFA-Exekutive, zu der auch Franz Beckenbauer gehört, verstärkt den Schutz minderjähriger Spieler.

Alle Transfers von minderjährigen Spielern müssen in Zukunft einer Kommission vorgelegt werden. Des Weiteren müssen die Ausbildungszentren alle Spieler bei ihrem jeweiligen nationalen Verband registrieren.

Ist das nicht toll? Während eine Klub-Weltmeisterschaft um Millionen tobt findet das Exko das Herz, sich um minderjährige Spieler zu kümmern. Ist das, so kurz vor Weihnachten, nicht rührend?

Nein, es ist zum
Kotzen.

Was Franz Beckenbauer da mit unterschrieben hat ist die Beruhigung eines schlechten Gewissens.

Und es ist der infame Versuch, der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen.

Bleiben wir in Deutschland. Die Vereine, die an einem Europapokal teilnehmen, müssen ab der nächsten Saison vier Spieler in ihrem 25-köpfigen Kader haben, die im Klub ausgebildet wurden.

Vier weitere mussten im Verbandsgebiet des DFB ausgebildet werden. "Ausbildung" heißt im Klartext, vier Jahre unter Vertrag – also als 14-jährige angeheuert worden sein.

Nun läuft diese Raubritterei in Deutschland noch halbwegs zivil ab. Meistens werden die Eltern
parallel mit Jobs versorgt, damit Bezugspersonen bleiben – oder Eltern nicht von Raub, sondern von Transfer und Perspektiven sprechen.

Viel schlimmer ist es in Afrika. Dort gibt es keine Vereinsstruktur, sondern private Ausbildungszentren.

Die Kinder werden nach Europa verhökert, spielen in einem willfährigen Verein vor und werden dann zum Nutzen der nicht-afrikanischen Betreiber einer "Fußballschule" verhökert oder ausgemustert. Standard Lüttich lässt grüßen.

Jetzt müssen Ausbildungszentren vom Verband registriert werden? Das heisst doch nur, Kinderhandel bekommt jetzt noch ein offizielles Siegel. Und alle Profiteure können ihre Hände in Unschuld
waschen.

Wer will, kann ja mal bei Sammy Kouffour oder Abedi Pele nachfragen, wie die nach Europa geraten sind – und dann in München ankamen. Um es klar zu sagen: Fußballer, die weinen, sie seien Sklaven, lügen angesichts ihrer Gehälter.

Das ist ein frei gewähltes Schicksal; Sklaven sind nie entlohnt worden. Die Plage und das Unrecht sind die Kinderhändler im Fußball.

Deren dubiosen Geschäften öffnet der FIFA-Beschluss weiterhin Tür und Tor. Den Fußballfans, die sich im Prinzip sowieso nicht für dieses Thema interessieren, soll nur Sand in die Augen gestreut werden.

Blatter als Sandmännchen – das wäre mal eine Karikatur für Haitzinger!

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