 |

Assauer, Calmund und Konsorten - sie sitzen auf unserem Fussball, bis ihm die Luft wegbleibt – Assauers unrühmlicher Abgang signalisiert ebenso wie der Rauswurf des dicken "Calli" in Leverkusen das Ende der alten Monarchen der Liga, die sich als letzte Machos sehen und unfähig sind zu modernem Teamwork. Sie warfen mit Multi-Millionen um sich, wollten die Krone und gingen am Ende mit einem verbeulten Kochtopf - Rudi Assauer ist ein Beispiel dafür, dass die Zeit der alten Geld-Vernichter abgelaufen ist – ein Rückblick aus gegebenem Anlaß
Assauer abserviert! Das Ende des letzen Monarchen der Liga
PIERRE ARZBERG/HW BERTRAM
Ausgepafft
|
|
GELSENKIRCHEN Erst Callmund, dann Assauer. Alles aus und vorbei und gut ist, daß genug ist.
"Unser Rudi ist in jedes Fettnäpfchen voll reingetappt," tritt nun Schalke-Aufsichtsrat-Chef Clemens Tönnies nach. Und: "Ich habe manche Kröte geschluckt. Es hat ja Theater genug gegeben. Er hat immer gefragt: Aufsichtsrat? Wat wollt ihr eigentlich?""
Trug nicht Rudi Assauer (60) die Insignien der Könige? Schon wie er nahte: Der würdevolle Schritt gleicht dem Gang eines Herrschers. Die Zigarre, groß wie eine Blockflöte, ist sein Zepter. Der blaue Dunst, hinter dem er sich verbirgt, bildet den Schutzschild, und an der hohen Stirne lassen sich Stolz und Kühnheit eines wahren Fußballfeldherrn ablesen.
Solche Hoheiten, wie es der nunmehrige Ex-Manager vom FC Schalke 04 ohne Frage ist, machen 102,8 Millionen Schulden mit links und verpfänden die Zuschauereinnahmen ohne mit der Wimper zu zucken bis in die nächste Generation. „Alles halb so schlimm“, hat Souverän Assauer zur Finanzlage der Königsblauen noch unlängst gesagt. Das freut die Nutznießer natürlich immens.
Am meisten Ex-Stars wie Jörg Böhme. Den wollten die Schalker auf gemeinschaftlichen Beschluss mal so richtig rausschmeißen, aber nach einem Treffen mit Rudi Assauer wedelte der ewige Rasenrüpel lachend mit einem neuen Vertrag. Oder Mladen Krstajic. „Was bei Manager Klaus Allofs in Bremen über Wochen ergebnislos verlief, dauerte bei Assauer fünf Minuten“, strahlte der frühere Bremer über seine seinerzeitige Verpflichtung.
Kohle? Kein Problem. Überhaupt nicht. Aber am Ende eben doch. Und tschüß…
Welch ein Kunststück, mit geliehenen Millionen um sich zu schmeißen.
„Ich würde mir die Schalker Zahlen gerne mal genauer ansehen“, hat Uli Hoeneß schon vor längerer Zeit mal geunkt.
Da hatte er aber Pech: Die bunkerte der Rudi ganz tief unten auf Sohle sieben von Schalke 04.
Aber allein schon der Blick auf Assauers juwelenbesetzte Krone war zuletzt vielsagend. Verformte sie sich doch im blauen Dunst allmählich zu einem verbeulten Kochtopf.
Anders gefragt: war Rudi Assauer gar nicht der, der er vorgab zu sein?
Ach, was er nicht schon alles war:
|
„Der letzte Klassenkämpfer“ (Der Spiegel), „ein populistischer Volkstribun“ (Frankfurter Rundschau). Einen „Kaschmir-Hooligan“ schalt ihn der Ex-Kollege Michael Meier von Borussia Dortmund. Verbarg sich mithin unter dem sündteuren Gewand nichts weiter als das Wesen eines Vulgärfans?
Immerhin hat der eine Banklehre absolviert, zu Zeiten allerdings, als mit dem Begriff „Bank“ eher noch die Gemütlichkeit einer Park- oder Fensterbank assoziiert wurde.
Vor allem aber verbindet man mit Rudi Assauer alle Attribute eines „Machos“. So hatte ihn, eine süße Lachnummer für sich, mit Andreas Müller kein Geringerer als der ehemalige Mannschaftskapitän und Nachfolger stets artig mit „Herr Assauer“ anzureden.
Auch der Rest im persönlichen Umfeld hatte immer schön zu buckeln. In der Denkrichtung, dass sich hinter dem geschniegelten Äußeren und den großen Sprechblasen eine ziemlich herrschwütige Allerweltsperson verbirgt, ist der Schalke-Manager wohl eher ein Macho aus der Bratfischbude gewesen, wie man im Revier so sagt.
Mit der Grandesse und dem Bildungszenit fetziger US-Filmmachos kann der „Bürger des Ruhrgebiets“, wie der an ihn verliehene Ehrentitel lautet, nun wirklich nicht mithalten. Aber vielleicht irren wir, und Rudi diskutiert am knisternden Kamin mit Lebensgefährtin Simone Thomalla, von Beruf Schauspielerin, sehr angeregt die Funktion der Hecate in Shakespeares „Macbeth“ (wohl 1606).
Ein recht zeitnahes Drama war die Entlassung von Jupp Heynckes durch Assauer. Statt Standhaftigkeit zu zeigen und dem Trainer den Rücken zu stärken, gab der Manager den Nörgeleien einiger Spieler an Heynckes nach. Es ist dies der billige Aktionismus und der typische Reflex von Managern, die tunlichst verbergen wollen, dass das von ihnen bunt zusammengekaufte Sortiment nicht funktioniert.
Assauer, der mit Unterbrechungen seit 1981 auf Schalke wirkte, wurde in ein schlechtes Licht gerückt, als der "Focus" am vergangenen Samstag von angeblichen Finanzproblemen berichtete, die den Verein an den Rand der Zahlungsunfähigkeit manövriert hätten.
Hat sich Schalke - ähnlich wie zuvor der Revierrivale Borussia Dortmund - beim Aufbau einer teuren Mannschaft und Infrastruktur übernommen? Assauer konnte
|
|
|
|
den Aufsichtsrat zwar davon überzeugen, diese Informationen nicht weitergegeben zu haben - die Stimmung war da aber schon gegen ihn. Der Rücktritt Assauers beendet diese schleichende Demontage, zurück bleibt ein Mann, der dem Verein zwar in salbungsvollen Worten dankte, tief drinnen aber zutiefst enttäuscht ist. "Entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich", hatte er 1981 orakelt - zweites ist für den 62-Jährigen nun Realität geworden.
Besonders über den früheren Schalker Profi und das heutige Aufsichtsratsmitglied Thon, dem Assauer im Herbst 2004 keine Tätigkeit im Management übertragen wollte, äußerte der 62-Jährige sich enttäuscht: "Ich habe ihn immer gefördert, gefördert, gefördert - dann kommt Olaf und haut mir den Knüppel ins Kreuz und sagt: 'Interessiert mich alles nicht mehr.'"
Assauers Lebensgefährtin Simone Thomalla sprach zudem in der TV-Sendung "Beckmann" über "Berichte von Freunden" über Stimmungsmache von Thon ("Er hat sich ziemlich dumm verhalten")gegen den Manager.
Laut Assauer hätte Schalkes Aufsichtsrat in der Vorwoche nach der Veröffentlichung von brisanten Details über die Club-Finanzen unbedingt die Trennung herbeiführen wollen und dafür auch zu drastischen Maßnahmen gegriffen. "Es hat sich bei uns eine Stimmung aufgebaut, die sehr gefährlich war. Nachts um halb eins hat ein Rechtsanwalt bei mir zuhause geklingelt und gesagt: 'Das und das sind die Bedingungen. Wenn du das und das nicht einhältst, dann bist du weg."
Seiner Darstellung zufolge antworte Assauer: "Dann macht euren Schitt alleine."
Rückblickend erachtet Assauer die Gerüchte über angebliche Alkoholprobleme als Auslöser der für seine Person negativen Entwicklung. Er hätte die Sache konsequent beschließen müssen, sei "aber zu gutmütig in solchen Dingen". Dadurch sei die Welle weitergegangen und hätte ihn angreifbar gemacht.
Bei seinem bereits angekündigten Auftritt auf Schalkes nächster Jahreshauptversammlung will Assauer zwar "kein Öl ins Feuer gießen, aber offene Worte" an die Mitglieder richten: "Ich möchte nicht, dass der Verein vor die Hunde geht. Das darf nicht, das wird nicht vorkommen."
Die Schalker Vereinsführung
|
bleibt von Assauers Angriffen unbeeindruckt. So verlängerte der Aufsichtsrat heute Abend einstimmig den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden Gerhard Rehberg bis zum 30. September 2007. Rehberg hatte eigentlich geplant, am 1. August zurück zu treten - um von Assauer beerbt zu werden. "Gerd Rehberg hat keine Sekunde gezögert, unserem Wunsch nachzukommen. Wir schätzen seine souveräne und integrative Art und freuen uns auf ein weiteres Jahr der guten Zusammenarbeit", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies.
Rehberg ist seit dem 12. Dezember 1994 Vorsitzender der "Königsblauen".
Turbulent hatte schon seine erste Amtszeit begonnen, seinen Rauswurf 1986 bezeichnete der Zigarrenraucher später als seinen "größten Tiefschlag". 1993 kehrte er auf den Managerposten zurück und führte den damals vom Abstieg bedrohten Club zum Uefa-Cup-Sieg 1997, zudem wurde 2001 und 2002 der DFB-Pokal gewonnen. Auch in der Champions League mischte Schalke in der Folge mit, zum Kult wurde mit den Königsblauen nach der knapp verpassten Meisterschaft 2001 aber vor allem "Stumpen-Rudi".
Am Ende hatte er aber doch noch das letzte Wort, pathetisch wie immer sagte er, dass Schalke sein "Lebensinhalt" gewesen sei. "Dieses Buch habe ich nun zugeschlagen. Dem Verein werde ich jedoch immer verbunden bleiben. Es war eine einzigartige Zeit, in der wir gemeinsam Großes aufgebaut haben". Gescheitert ist Assauer aber mit seinem großen Traum, erst abzutreten wenn er mit Schalke die Meisterschaft gewonnen hat.
Sich derart aus der Verantwortung zu schleichen ist ein ebensolches Charakteristikum wie die Taschen, die sich die Bundesliga-Manager auch dann noch randvoll füllen, wenn das große Ganze längst „in die wirtschaftliche Todesspirale“ geraten ist, wie die Neue Zürcher über Schalke 04 kürzlich schrieb.
Die bräsigen Monarchen, sie sitzen auf dem Ball und nehmen ihm die Luft. Doch der blaue Rauch ist dabei, sich zu verziehen. Frei und freier gibt er den Blick – und immer deutlicher erweist sich die Krone auf den Häuptern der Fußballkönige von gestern wahrhaftig als verbeulter Kochtopf.
Adieu, Assauer.
Zeit für eine Zigarre – ganz privat.
|
|